Roßdörfer Basketballer - Pioniere für den deutschen Basketball

Wenige Basketballvereine in ganz Deutschland können auf eine so lange und traditionsreiche Vergangenheit zurückblicken wie die Roßdorf Torros. Es könnten dutzende Seiten mit Bildern und Berichten über die Anfangszeit des Roßdörfer Basketballs geschrieben werden. Hier soll nur ein kleiner Ausschnitt der Vergangenheit gezeigt werden, auf die die Roßdörfer Basketballer voller Stolz zurückblicken dürfen und können. Dabei werden nicht selten Sätze wie "Die/der erste ... in Roßdorf" zu lesen sein - ein Indiz dafür welche Rolle Roßdorf in der Entwicklung des hessischen und des deutschen Basketballs geleistet hat. Die Roßdörfer Plakate aus den Anfängen des deutschen Basketballs, alle handgemalt, hängen heute im Büro des Vorsitzenden des Deutschen Basketball Bundes, der an jedem Arbeitstag den Ort "Roßdorf" lesen darf.

 

Wer war Theo Clausen?

Für alle, die sich in den Anfängen des Basketballs in Hessen und auch in der Bundesrepublik auskennen, sind Rosdorf und Theo Clausen eine Einheit.

Theo Clausen und Philipp KaffenbergerWenn man aber erfährt, dass Theo Clausen 1911 im heutigen Surinam in nördlichen Südamerika als Sohn eines deutschen Missionars geboren wurde, fragt man sich, wie ist ihn ausgerechnet in das kleine Roßdorf bei Darmstadt verschlagen hat. Nach seiner Schulzeit in Deutschland und anschließendem Studium am Institut für Leibesübungen in Köln bekam er 1934 ein Stipendium am Springfield College in den USA. Hier gab es natürlich die Berührung mit dem Basketball, aus der sich eine Begeisterung entwickelte, die ihn nie wieder los ließ. Auch Philipp Kaffenberger aus Roßdorf erhielt 1935 ein Stipendium am Springfield College. In seinem Tagebuch steht am 19. September 1935: 
 
 "Ankunft New York - Pier von Manhattan, Theo Clausen holt mich mit einem Auto ab."
 
 Hier beginnt zwar der Kontakt zu Roßdorf, aber zum Roßdörfer Theo Clausen ist es noch ein weiter Weg. Beide kannten sich bisher nicht. Clausen hatte erfahren, dass ein Student aus Deutschland kommen würde. Er holte ihn ab, um Ihm den Start in den USA zu erleichtern, typisch Theo Clausen. Aus dieser ersten Begegnung wurde eine lange Freundschaft. Ein Jahr lieben beide noch in den USA zusammen, Kaffenberger als Student, Clausen auch als "Professor" (er verdiente sich seinen Aufenthalt mit Deutschunterricht). 1936, während der Olympischen Spiele in Berlin, trafen sie sich wieder im Olympischen Dorf, wo Theo Clausen als Dolmetscher tätig war.
 Eine Einladung zur Roßdörfer Kerb nahm Theo Clausen gerne an und so hieß es im Herbst 1936 "Phillip - draußen steht ein Amerikaner". Natürlich wurde der Freund allen Bekannten vorgestellt, so auch in der Gärtnerei Seibert: Bei diesem Besuch lernte Theo Clausen seine Frau kennen und so blieb die Verbindung zu Roßdorf ein Leben lang bestehen. Durch seine Anstellung als Wandersportlehrer beim Reichssportbund begannen für die junge Familie Clausen tatsächliche Wanderjahre. Der Krieg setzt dieser Tätigkeit ein Ende. Nach Kriegsschluss wurde die Familie Clausen endgültig in Roßdorf heimisch. Wer von den damals jungen Basketball erinnert sich nicht an die Adresse "Müllerstraße 48"?

1955 verließen die Clausens Roßdorf, doch der Kontakt zu Roßdorf und sein Basketballer riss nie ab. Im Mai 1985 starb Theo Clausen, und mit ihm, für die Älteren unter uns, die persönlich gekannt haben, nicht nur im sportlichen Bereich ein Vorbild und ein Freund. 

 

Von den Anfängen bis heute

 imagesBilder zum Vergrößern bitte anklicken

1939

Bereits im Jahre 1939 brachte Theo Clausen einigen Mädchen der Abteilung Turnen und Leichtathletik in der damaligen SG Roßdorf die Grundkenntnisse des Basketballs bei. Dem damaligen Kreis gehörten Erna Emich, Dora Rabanus, Lisbeth Schenkel und Else Stumpf an, ein umgebauter Barren diente in der Turnhalle in Roßdorf als Korb.

Der Krieg jedoch bereitete den ersten Basketballanfängen in Roßdorf ein Ende, zu einer offiziellen Vereinsgründung kam es leider nicht.

April 1946
1946 erstes teamIm April 1946 konnte, wie auch schon vor dem Krieg, Theo Clausen junge Roßdörfer Sportler für den Basketballsport begeistern: Georg Buchberger, Georg Grünewald, Fritz Kipp, Reinhard Müller und Horst Trautmann bildeten die erste Roßdörfer Basketballmannschaft um ihren Trainer Theo Clausen. Schnell folgten weitere Basketballbegeisterte und die Basketballabteilung wurde offiziell gegründet.
Juli 1946

Am 21. Juli 1946 war es dann soweit: Das erste offizielle Spiel einer Roßdörfer Basketballmannschaft

Mit dem ersten Spiel der ersten Roßdörfer Basketball-Mannschaft am 21. Juli 1946 nahmen die Torros den Spielbetrieb auf.  Gegen eine lettische Mannschaft (Displaced Persons) verlor man auf in Dieburg (Freiplatz Convict) mit 102:22. Dies eine Kopie des damaligen Spielberichtbogens.
 August 1946

Die nächste Premiere folgte rund zwei Wochen nach dem ersten Spiel: Das erste Heimspiel auf Roßdörfer Boden

Im Juli und August machten sich die Roßdörfer daran, einen eigenen Freiplatz zu errichten. Die ersten Basketballgeräte (natürlich in Holzausführung) werden in Selbsthilfe errichtet. Das Material wurde von der Firma Kayser & Seibert zur Verfügung gestellt.

Auf dem neu errichteten Freiplatz, zunächst nur mit Rasenbelag, wird das erste Heimspiel, wieder gegen die Dieburger Lettenmannschaft ausgetragen. Noch immer ist die neue Roßdörfer Mannschaft ohne Chance: Auch das zweite Spiel wurde deutlich mit 17:71 verloren.

Doch der erste Sieg einer Roßdörfer Mannschaft soll nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Oktober 1946

Der dritte Meilenstein: Nach dem ersten Spiel und dem ersten Heimspiel fehlt jetzt nur noch - der erste Sieg.

Nach Niederlagen in den ersten Spielen gegen die Dieburger Lettenmannschaft folgten weitere Freundschaftsspiele in der Arheilger Turnhalle gegen Letten, Esten, Litauer und US-Amerikaner. Sie endeten mit Niederlagen der Roßdörfer Mannschaft, die aus den Niederlagen aber viel lernen kann. Und so sollte der erste Siege auch nicht lange auf sich warten lassen. Während man gegen internationale Mannschaften noch relativ chancenlos war, war das bei den deutschen Gegnern, die noch mehr in den Kinderschuhen steckten, anders:

Am 25. Oktober 1946 war es dann soweit: Mit einem 45:8 Sieg gegen eine Mannschaft des Realgymnasiums Darmstadt (aus der sich dann später der BC Darmstadt bildete) feierten die Roßdörfer den ersten Sieg in einem Basketballspiel.

August 1947

Auf dem Freiplatz, der mittlerweile eine Gruss-Schicht bekommen hat, findet das erste Basketball-Turnier statt. Sieger wird die ausrichtende SG Roßdorf vor dem Karlsruher TV 1846, der TSG 1878 Heidelberg und Mannschaften der Karlsruher Lebensversicherung und des Englischen Instituts Heidelberg.

Oktober 1947

Am 31. Oktober 1947 wird die erste Hessenmeisterschaft bei den Herren in der Stadthalle Heppenheim ausgetragen. Es beteiligen sich vier Mannschaften. Nach zwei Siegen gegen den BC Darmstadt (30:14) und gegen die SG Heppenheim (42:12) ist die SG Roßdorf erster Hessischer Basketballmeister.

September 1948
Am 12. September 1948 erringt die Damemannschaft in der erstmals ausgetragenen Meisterschaftsrunde den 1. Platz vor der SG Heppenheim umd dem BC Darmstadt und wird, wie bei den Herren, ebenfalls der erste Hessische Basketballmeister.
1949
Austragungsort für die erste Deutsche Meisterschaft der Jugend war der Roßdörfer Freiplatz.
1950

Roßdorf wird Deutscher Vize-Meister

Die weibliche Jugendmannschaft wird bei den in Darmstadt-Arheiligen ausgetragenen Deutschen Jugend-Meisterschaften hinter dem OSC Berlin hervorragende Zweite!

Die erfolgreichen Spielerinnen: Christel Breitwieser, Gisela Emig, Erna Helfmann, Elsbeth Strock, Brunhild Wolf und Inge Zimmer

1951

Februar 1951: Was ein Jahr für für die mittlerweile auf über 45 aktive Mitglieder angewachsene Basketball-Abteilung

Sowohl die Herren als auch die Damen werden Hessenmeister!

Als Sieger der Gruppe Südhessen gewinnt die erste Herrenmannschaft ein Entscheidungsspiel um die Hessische Meisterschaft gegen den nordhessischen Gruppensieger Eintracht Wetzlar mit 58:17 und wird Hessenmeister der Spielzeit 1950/1951.

Auch die Damenmannschaft wird ohne Niederlage Hessenmeister, scheitert aber in der Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft an der TSG 1878 Heidelberg.

Die Meistermannschaften:

Damen: Ahl, Gisela Emig, Helga Emig, Breitwiesser, Helfmann, Krämer, Schumann, Storck, Brunhild Wolf, Waltraut Wolf
Herren: Buchberger, Clausen, Emig, Grünewald, Ihrig, Köhler, Moter, Müller, Zimmermann

1952
Im Juli erhält der berühmt-berüchtigte Roßdörfer Freiplatz seine Asphaltdecke. Nicht nur Mannschaften aus Deutschland stellen sich in Roßdorf vor, auch internationale Teams sind in Roßdorf keine Seltenheit.
1984

Die Roßdörfer Basketball-Geschichte ist auch die Geschichte einer Schiedsrichter-Hochburg: Der erste FIBA-Schiedsrichter aus den Roßdörfer Reihen war Theo Clausen. Reihard Müller, Helmut Köhler und Georg Buchberger leiteten Spiele der Deutschen Meisterschaft und in den höchsten Spielklassen. Die Tradition wurde von Walter Peetz und Manfred Landzettel fortgeführt. 

Doch den Höhepunkt setzte ganz sicher Klaus Metzger, der als erster Deutscher Schiedsrichter für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles nominiert wurde.

Fortgeführt wird die erfolgreiche Funktionärs- und Schiedsrichter-Tradition noch heute (siehe Schiedsrichter der Roßdorf Torros).

1986

Die Roßdorf Basketballer feiern ihr 40jähriges Bestehen - und ausgerechnet im Jubliäumsjahr geschieht es: Der erste Abstieg.

Die ersten Herren belegen in der Regionalliga nur den vorletzten Platz und müssen die Klasse nach unten hin verlassen. Nach 40 Jahren Basketball in Roßdorf ist dies der erste Abstieg einer ersten Herren-Mannschaft - ausgerechnet im Jubiläumsjahr.

1996

Die Roßdörfer Basketball begehen in einem großen Festakt ihr 50jähriges Jubiläum. Die Torros erhalten für 50jährige Vereinsarbeit das "Ehrenschild der Vereine" durch den Deutschen Basketball Bund überreicht. In der Rehberghalle findet im Rahmen des Hessischen Verbandstags eine Ausstellung über die Geschichte des Roßdörfer Basketballs statt.
Der Film "50 Jahre Basketball" in Roßdorf erscheint.

2005

2005 die wiege im nirgendwoDie Roßdörfer Basketballer erhalten von der Zeitschrift "Basketball" den Ritterschlag und werden in einem Artikel über die Anfänge des deutschen Basketballs als "Wiege des Deutschen Basketballs" bezeichnet. Auch wenn der Autor vom "Nirgendwo" und "Straßen mit Kopfsteinpflaster" spricht -ohne Roßdorf wäre der deutsche Basketball nicht das, was er heute ist!

Artikel im Großformat (3,6 MB)

2010

Basketballbegeisterte Eltern gründen den Förderverein jungTORROS e.V. 

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